Chur, 27. & 28. Juni 2002
Coire, 27 et 28 juin 2002
Im Zusammenhang mit dem Sicherheitskonzept für Stauanlagen kommt der kontinuierlichen Überwachung eine äusserst wichtige Rolle zu. Mit dem Ziel, frühzeitig Sicherheitsprobleme zu identifizieren, wird mittels der Durchführung von entsprechenden Kontrollmessungen das Verhalten der zugehörigen Talsperren regelmässig erfasst, analysiert und interpretiert. In den meisten Fällen werden die Messungen in monatlichem Rhytmus von den Talsperrenwärtern erfasst und anschliessend dem für die Kontrolle zuständigen Fachpersonal übermittelt. Dieses wertet die Messungen in Bezug auf Plausibilität und Regularität aus und kommuniziert umgehend die entsprechenden Schlussfolgerungen. Eine zusammenfassende Darstellung der getätigten Messungen sowie deren Interpretation erfolgt dann alljährlich im Jahresbericht und alle 5 Jahre im Gutachten des Experten.
Grundbedingung zu einer erfolgreichen Interpretation der Messungen ist, neben der gewissenhaften Erfassung des Messwertes und der Gewährleistung der Kontinuität der Messbedingungen, das gleichzeitige Erfassen von Belastung und Reaktion der Talsperre. Als Belastung (äussere Bedingungen) gelten normalerweise der Wasserstand, die Luft- und Wassertemperatur und der Niederschlag, als Reaktionen (auf diese Belastungen) werden generell die Verformungen, die Temperaturen im Bauwerk, die Auftriebsverhältnisse und die Durchsickerungen erfasst. Dabei sind unter dem Begriff "Verformungen" die Bewegungen der gesamten Talsperre einerseits, andererseits aber auch diejenigen von Teilbereichen derselben zu verstehen.
Meistens wird das Verhalten einer Messung durch verschiedene "Belastungen" beeinflusst. So werden bekanntlich die Verschiebungen des Kronenbereichs von schlanken Talsperren nicht nur durch den Wasserdruck, sondern ebenfalls durch die Bauwerkstemperatur beeinflusst, oder es kommt vor, dass die Sickerwassermengen oder der Auftrieb nicht allein vom Seestand abhängen, sondern durch Niederschläge und Schneeschmelze massgeblich beeinflusst werden. Insbesondere der Doppeleinfluss von Seestand und Temperatur auf die Verformung der Talsperre hat dazu geführt, dass Methoden entwickelt wurden, durch welche der jeweilige Einfluss dieser Faktoren berücksichtigt werden kann und welche die Berechnung von sogenannten "Sollwerte" erlaubt.
Die Auswertung der erfolgten Messungen zielt nun also darauf ab, durch die Interpretation des Kurz- und Langzeitverhaltens der Talsperre eine Sicherheitsabschätzung derselben zu ermöglichen. Grundsätzlich werden dazu die beobachteten Messungen, bekannten, unter ähnlichen Bedingungen erfassten Werten, oder/und den definierten "Sollwerten" gegenübergestellt. Eine solche Gegenüberstellung erfolgt mit Vorteil in graphischer Form, als Darstellung in Abhängigkeit der Zeit, oder der relevanten Einflussparameter (Belastungen). Durch die gleichzeitige Darstellung von Messwert, Sollwert und, bei zeitabhängigen Darstellungen noch der beeinflussenden Belastung, auf ein und derselben Graphik gewinnt dieselbe an Aussagekraft und trägt somit zu einer rascheren Visualisierung des Verhaltens bei.
Oft beziehen sich die Auswertungen auf einzelne wichtige Messpunkte (z. B. Lotmesspunkte), welche im Normalfall zur Sofortauswertung der Messungen angewandt werden. Zusätzlich zu diesen "messpunktbezogenen" Auswertungen können die Messwerte mehrerer Messpunkte aber auch "objektbezogen", entlang von vordefinierten Profilen erfolgen. Als Beispiele hierfür gelten vertikale oder horizontale Verformungslinien von Lot- oder anderen Bewegungsmessungen oder aber auch Auftriebsprofile.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass wir in der Schweiz über ein überaus effizientes und zuverlässiges Talsperren-Kontroll-System verfügen, welches Dank dem gewissenhaften Einsatz aller Beteiligter eine optimale Kontrolle und Kenntnis der Sicherheit unserer Talsperren erlaubt.