Fachtagung / Journées d'étude
Stauanlagen und Hochwasserschutz
Ouvrages d'accumulation et protection contre les crues
Visp, 21. & 22. Juni 2001
Viège, 21 et 22 juin 2001
<< >>
^[D] ^[F]
Stauanlage Räterichsboden -
Neue Hochwasserentlastung
Le barrage de Räterichsboden - Nouvel évacuateur de
crues
Georges
Collet
Kraftwerke
Oberhasli AG
Innertkirchen
Zusammenfassung
Die Stauanlage Räterichsboden wurde als Teil des Kraftwerks Handeck 2 der KWO, Kraftwerke Oberhasli AG, in den Jahren 1947 bis 1950 erstellt und befindet sich ca. 3 km unterhalb des Grimselpasses im Aaretal. Sie weist eine in die Staumauer integrierte Hochwasserentlastung mit vier Saughebern und einer totalen Kapazität von rund 90 m3/s auf.
Die Überprüfung der Hochwassersicherheit durch das Büro Stucky, Lausanne, 1983, zeigte, dass die Abflusskapazität unter den aktuellen Vorgaben des BWW ungenügend war. Die Überarbeitung der Studie nach den Erkenntnissen der Hochwasser von 1987 und 1993 bewies die Dringlichkeit von Verbesserungsmassnahmen. Die erforderliche Erhöhung der Abflusskapazität war nur durch den Bau einer zusätzlichen, neuen Hochwasserentlastung zu erreichen.
Das Studium verschiedener möglicher Varianten sowohl bezüglich Standort wie Konstruktion ergab, dass die optimale Lösung des Problems die Erstellung eines Halbtrichter–Überfalls auf der linken Talseite seeseits der Staumauer darstellte. Man entschied sich für dieses Projekt. Die neue Entlastung hatte aufgrund der Studie beim 1000-jährlichen Hochwasser 110
m3/s und beim „grösstmöglichen Hochwasser“ 260 m3/s abzuleiten. Dabei sollte das bisherige Stauziel beibehalten werden. Die geologische Beurteilung durch Herrn Dr. A. Baumer, Ascona, wie auch die Bestimmung der Felsoberfläche erlaubten einen oberflächennahen bis max. 41% geneigten Abflussstollen für mechanischen Vortrieb vorzusehen.
Das gewählte und ausgeführte Projekt des Ingenieurbüros Stucky, Lausanne, umfasste somit ein Halbtrichter-Einlaufbauwerk mit 12 m Radius sowie ca. 30 m Höhe, einen mechanisch vorgetriebenen Abflussstollen mit 4.40 m Durchmesser sowie 215 m Länge und ein 41 m langes Auslaufbauwerk mit Skisprung. Die Modellversuche am Wasserbaulabor der EPFL bestätigten die Dimensionierung und lieferten Angaben für die Detailkonstruktion.
Die Bauausführung erfolgte in den Jahren 1996 bis 1998, wobei 1996 Voreinschnitt und Stollen luftseits der Staumauer, 1997 das Einlaufbauwerk mit Stollenanschluss sowie das Auslaufbauwerk und 1998 die Injektionen ausgeführt wurden. Damit waren nur 1997 einschneidende Staubeschränkungen notwendig, welche grössere Produktionsverluste zur Folge hatten. Die Zementinjektionen erwiesen sich trotz sehr dichtem Fels, schonendem Sprengen und eingehaltener Betonqualität infolge der vorhandenen Durchsickerungen als notwendig.
Die Kosten waren mit 4,1 Mio CHF veranschlagt und konnten eingehalten werden.
Anlässlich der starken Niederschläge vom 15. Oktober 2000 kam die neue Hochwasserentlastung erstmals in Betrieb und bewährte sich.
|