Nebenanlagen - alles andere als nebensächlich

Vom imposanten Bauwerk der Talsperre in der Hintergrund gedrängt, aber nicht minder wichtig für den sicheren Betrieb, sind die Nebenanlagen. Dazu gehören die Hochwasserentlastungen, der Grundablass und die Wasserentnahme.

Die Hochwasserentlastung muss imstande sein die ermittelten grösstmöglichen Hochwasserzufluss auch bei vollem Stausee abzuführen, ohne dass die Talsperre gefährdet wird. Bei Dämmen wird die Hochwasserentlastung wegen der Gefahr des Ausschwemmens meistens seitlich getrennt angeordnet; bei Staumauern kann das Hochwasser auch durch Überläufe auf der Mauerkrone oder durch tiefer gelegene, abschliessbare Öffnungen im Mauerkörper abgelassen werden.

In der Schweiz wird bei allen Talsperren ein Grundablass angeordnet, um den Wasserspiegel notfalls absenken oder das Staubecken ganz entleeren zu können. Er kann auch zum Abspülen von Geschiebeablagerungen aus dem Stauraum verwendet werden.

Die Wasserentnahme bildet eine weitere wichtige Nebenanlage der Talsperre. Von ihr aus wird durch Kanäle, Leitungen oder Stollen das Wasser seinem Verwendungszweck zugeführt. Bei Kraftwerksspeichern liegt die Wasserentnahme nahe dem Seegrund, bei Wasserversorgungsspeichern werden die Entnahmen dagegen meist in einem im Wasser stehenden Turm auf verschiedenen Höhen angeordnet, um jederzeit Wasser der geeignetsten Qualität entnehmen zu können.

Hochwasserentlastungen können mit oder ohne bewegliche Ablassvorrichtungen gebaut werden. Bei Grundablässen und Wasserentnahmen sind Ablassorgane in Form von Schiebern, Drosselklappen oder Segmentschützen unabdingbar erforderlich. Diese mitunter beachtlich grossen Stahlkonstuktionen werden heute in der Regel mit ölhydraulischen Pressen bewegt. Die meisten Entnahmebauwerke sind zudem mit Rechen gegen das Eindringen von Fremdkörpern geschützt.


p22 a

p23 a

Figure 22

Je nach Anordnung der Hochwasser- entlastung bietet der Wasserüberfall ein spektakuläres Schauspiel. Staumauer Contra der Verzasca-Kraftwerke (TI). 

 

 

 

Figure 23

Mit mächtigen Drosselklappen kann der Druckstollen zwischen Stausee und Maschinenzentrale des Kraftwerks verschlossen werden.

 

 

p23 c

Figure 24

Vor dem Bau der Staumauer werden Versuche mit massstabsgetreuen Modellen und fliessendem Wasser durchgeführt. Diese Bilder zeigen die Staumauer Solis (GR) des Elektrizitätswerkes der Stadt Zürich im Modellversuch mit Hochwasserüberlauf und im Bau mit geöffnetem Grundablass.